Ungarische Rasseteckel

     Ungarische Rasseteckel und gleich zwei davon !    

Eine nachdenkliche, nicht ganz ernst zu nehmende Bilder-Geschichte von F.C.Eckart Wedler Februar 2004

 

Das weitläufige Vorurteil, dass die Hunde, die in Ungarn auf der Strasse leben, eingefangen werden und

dann in einer Tötungsstation landen, eben nur Strassenköter sind, ist nicht haltbar.

Ganz im Gegenteil; es handelt sich genauso um Rassehunde wie die uns bekannten Zuchthunde mit ihren

  Ahnentafeln oder Stammbäumen.             

Exkurs

Sind nicht alle Haustiere irgendwie aus Mischungen entstanden, aus denen dann die Rassestandards

entwickelt wurden, was dann zu den uns bekannten Zuchtergebnissen führte.

Meistens bekommen dann die Tiere den Namen wenigstens eines Elternteils, meistens den der Mutter,

weil häufig der Vater auf und davon und unbekannt ist, oder aber nach ihren besonderen Merkmalen und Eigenschaften.

 

Denken wir dabei nur an Maultier und Maulesel.

Bei anderen Haustierrassen ist das dann schon eindeutiger und geben Hinweis darauf, welche Eltern am

Nachwuchs beteiligt waren; so zum Beispiel beim Wolfsspitz.

Etwas schwieriger ist es sich vorzustellen, welche Elternteile z. B. beim Kaninchenteckel beteiligt waren.

Abartiger aber ist die Vorstellung über die Elternteile bei Zwergpinscher, Zwergpudel, Riesenschnauzer oder

Königspudel.

Für mich aber überhaupt nicht vorstellbar ist, wie nach dem o.g. Gedankengang ein Ameisenbär entstanden sein soll.

 

Wenden wir uns aber wieder den Rassehunden aus Ungarn zu.

Wir jedenfalls haben sehr viel Glück gehabt, als wir in den Besitz von zwei ungarischen Rassehunden kamen, die

eingefangen wurden, im Tierheim in Quarantäne gehalten wurden und nachdem sie kastriert, geimpft, entwurmt

und gebadet wurden und dann nach Deutschland gebracht wurden.

Zwei Hündinnen Candy und Bonnbereichern nun unser Leben.

Beide sind etwa eineinhalb bis zwei Jahre alt.

 

Candy ist ein reinrassiger ungarischer     " Dreifarbiger Weissspitzrutendackel "

Diese Rasse wurde extra für die Jagd auf Niederwild in den osteuropäischen Birkenwäldern gezüchtet.

  Durch das weiss-schwarz-braune Fell ist diese Rasse ideal den Farben eines Birkenwaldes angepasst;

  die Tarnung ist perfekt.

Seinen Rassenamen hat er durch die weisse Schwanzspitze erhalten.

Dieser Hund trägt seine Rute besonders aufrecht, so dass seine weisse Spitze über das Gras und die

Heidelbeersträucher herausragt. So kann sein Jagdherr immer erkennen, wo sich sein Hund beim Stöbern befindet.

Mit seiner bis zu 30 cm hoch werdenden Schulterhöhe ist  dieser Hund relativ klein, so dass er im Unterholz

fast ganz verschwindet und so vom Wild nur schwer entdeckt werden kann.

Selbst im tiefsten Schlaf entgeht ihm nichts; mit seinen grossen Ohren hört er auch das leiseste Rascheln einer Maus.

Auch seine schwarzen Augen deuten darauf hin, dass er auch nachts das Wild besonders gut erkennen kann.

 

Bonny ist ein reinrassiger ungarischer " Mittelhochbeiniger Brillendackel "

Anders als beim Weissspitzrutendackel ist er für die Jagd auf Niederwild im offenen Gelände gezüchtet worden.

   Mit einer Schulterhöhe von ca. 40 cm und seinen langen Beinen ist er ein ausgesprochener Sprinter.

Seinen Namen hat er durch seine markante, brillenähnlich aussehende Gesichtszeichnung bekommen.

Besondere Vorteile bietet ihm diese Weitsichtbrille für einen guten Überblick über die weiten Wiesen der Puszta.

Meist beobachtet er aus seinem Versteck erst eine ganze Weile seine Opfer. Selbst bei genauem

Hinsehen kann man ihn unter seinem Strauch nicht erkennen. So gut versteht er es, sich zu tarnen.

    

Oder sieht hier jemand den Hund ??                     Die Tarnung ist einfach super !

Da ! Jetzt hat er etwas entdeckt. Seine Deckung hat er zum Teil verlassen, um noch besser sehen zu können.

Durch die hohe Luftfeuchtigkeit unter dem Strauch kann es leicht passieren, dass seine Brille beschlägt und

seine sehr gute Sehfähigkeit zunächst etwas eingeschränkt ist.

In seiner aufrechten Sitzhaltung, in der er stundenlang, ohne sich zu bewegen, verharren kann,

beobachtet er alles ganz genau, um dann blitzschnell aus seinem Versteck hervorzuschießen und seinem

Opfer hinterher zu jagen.

Im freien Feld sitzt er stundenlang regungslos da und beobachtet und beobachtet und beobachtet ...........

Selbst ein Fuchs soll ihn mal für einen Baumstumpf gehalten und ihn angepinkelt haben, um sein Revier zu markieren.

So wird jedenfalls erzählt. Ob der Hund dann den Fuchs auch gepackt hat, ist nicht bekannt !

 

Beiden ungarischen Rassehunden gemeinsam ist das kurzhaarige Fell. Das macht sie besonders windschlüpfrig

und im dichten Unterholz bleiben sie dadurch auch nicht mit ihren Haaren am Geäst hängen.

Dazu kommt ihr ausgeprägter Jagdeifer und ein kräftiges Gebiss, das dem kleinen Wild kaum eine Chance gibt zu entrinnen.

Die unterschiedlichen Eigenschaften beider Rassen ergänzen sich vorzüglich.

Auch sind diese beiden Rassen untereinander sehr verträglich und verhalten sich sehr sozial.

       

Einmal aneinander gewöhnt sind diese Hunde unzertrennlich.

Dazu sind diese Rassen auch besonders anpassungsfähig.

Ein gemütliches Körbchen mit warmen Decken, wo sie faulenzen können, tauschen sie gerne gegen den Aufenthalt im Freien ein.

      

Natürlich müssen diese Rassen an der Leine geführt werden, denn  manchmal überkommt sie dann doch die Lust

z.B. einem Vogel hinterher zu jagen.

  

                                                                Aber auch von Frauen lassen sich diese Hunde sehr gut führen.
 

Diese beiden ungarischen Rassehunde, der "Mittelhochbeinige Brillendackel" und der "Dreifarbige Weissspitzrutendackel"

sind in Ungarn so wertvoll, dass von den Züchtern sehr, sehr hohe Massstäbe und Anforderungen an die Rassestandards

gestellt werden.

Viele, viel zu viele Hunde entsprechen nicht diesen Anforderungen der Züchter.

Sie werden einfach ausgesetzt, auf Müllkippen geworfen oder verhungern und erfrieren gelassen.

Die grössten Pechvögel landen dann in der Tötungsstation, wo sie angsterfüllt auf ihre Hinrichtung warten.

Einige haben aber ganz grosses Glück, wenn sie von Tierschützern freigekauft werden.

Dass diese Hunde so wertvoll sind, lässt sich auch daraus erkennen, dass die Hunde nur dann aus Ungarn ausgeführt

werden dürfen, wenn sie kastriert worden sind.

Auch die Anzahl dieser auszuführenden Hunde ist auf drei Hunde pro Person begrenzt.

Sinn und Zweck ist es, eine Weiterzüchtung ( auch mit den "Aussortierten" ) im Ausland zu verhindern, um die

Preise dieser Rassehunde für die ungarischen Züchter hoch zu halten.

Teilweise müssen diese Rassehunde auch nach Deutschland geschmuggelt werden, so wie es Bonny und

Candy erging.

 

Bonny und Candy haben es geschafft.

Sie wurden am 25./ 26.Januar 2004 auf abenteuerliche Weise von Franz ( TSV-Neuss ) nach über 30 stündiger

Reise nach Deutschland gebracht.

Jetzt bei ihren neuen Besitzern erholen sie sich von den Strapazen ihres Strassenlebens und geniessen das

  Nichtstun und das Verwöhnt werden.

    

Nach einer Woche haben sie sich so gut eingelebt, ihre Ängste abgebaut und schon grosses Vertrauen in ihre

Besitzer gelegt, dass sie bereits auch unbefangen miteinander spielen.

Nachdem ich über 42 Jahre ( nacheinander ) vier reinrassige Rauhhaardackelrüden ( davon drei mit Brigitte zusammen )

in meiner Obhut hatte, war es unser Traum einmal zwei Hündinnen von den oben beschriebenen

"reinrassigen ungarischen Jagdteckeln" zu besitzen.

 

Mit Bonny und Candy ging unser Wunsch in Erfüllung.

                                         

                                                         

 

Dafür danken wir allen Tierschützern des TSV-Neuss ganz herzlich.
 

Beitrag und Fotos: F.C.Eckart Wedler, Gusterath

© copyright by F.C.Eckart Wedler


 


           

   

  

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